Die Rosine im Medien-Kompott

Wenn man nicht schon Ü70 wäre (und dem Tech-Konzern „Meta“ sowieso schon den Rücken gekehrt hätte), hätte man fast Lust, doch noch auf Instagram einzusteigen und dem Grünen-Stadtrat Benedikt Döllmann auf seinem kommunalpolitischen Kanal zu folgen. So aber bleibt man dem Tagblatt treu,  nicht zuletzt,  weil auch Jonas Bleeser, Redaktionsleiter des Tagblatts, mit seiner Darstellung des Printmediums überzeugen konnte.

Munter ging es zu beim Gespräch am Dienstagabend im gemütlichen Ratsstüble: „Recherche trifft Reichweite“ lautete die Ankündigung, die wohl Interesse gefunden hatte. Der Gastraum im Stadtteiltreff war gut besucht. Wie informieren wir uns wo am besten? Das sollte die Frage des Abends sein. Das Ratsstüble-Hirschau e. V. hatte dazu eingeladen. Kreis- und Ortschaftsrätin Stefanie Hähnlein moderierte das Gespräch der beiden Medienpraktiker Jonas Bleeser, als Vertreter der Presse, und Benedikt Döllmann, der sehr aktiv bei Instagram und Co. für seine Arbeit im Gemeinderat wirbt.

Mit kenntnisreichen, provokanten Fragen entlockte die Moderatorin den beiden Herren teilweise unerwartete Aussagen zu den Licht- und Schattenseiten des jeweiligen Mediums. Wer kontrolliert,  was man schreibt oder was man als Video in seinen Account stellt?  Wie gründlich sind die Nachrichten jeweils recherchiert?

Überraschend von Herrn Bleeser zu erfahren, dass Leserbriefe zurückgewiesen werden, wenn sie nicht bewiesene Behauptungen enthalten oder wie hart in Redaktionskonferenzen die eigenen Artikel diskutiert werden. Erfreulich, wenn der Stadtrat Döllmann von vielen positiven Reaktionen auf seine kommunalpolitischen  Videos berichtet, von jungen Menschen erzählt, die jetzt auch für ihren Gemeinderat kandidieren wollen.

Ja, es gibt auch Hass und Schmähungen, bekannterweise in den Sozialen Medien, aber auch Leserbriefe und Beschwerdeschreiben im Briefkasten des Tagblatts oder an der Windschutzscheibe des Privatautos des Redakteurs. Die beiden Nachrichtenmänner wollen sich davon jedoch nicht beeindrucken lassen.

Die Zukunftsaussichten der beiden Medien könnten trübe sein: Die Printmedien haben vor allem mit den hohen Kosten und der kostenlosen Konkurrenz in den Sozialen Medien zu kämpfen. Die Sozialen Medien wiederum haben mitunter einen schlechten Ruf, Einschränkungen der Nutzung (zumindest für Kinder und Jugendliche) stehen im Raum. Doch sowohl Bleeser als auch Döllmann wollen  sich weiterhin engagieren,  für eine gute und gründlich recherchierte Berichterstattung in der Zeitung und in den Sozialen Medien.  Die Zuhörer werden sich – jetzt besser informiert! – ihre Rosine schon raus picken aus dem vielfältigen Medienwesen.

Ulrich Sichau, Ratsstüble Hirschau e. V.
Beitragsbild: Wolfgang Schweizerhof (mit ChatGpt bearbeitet)
[shariff]

Autor: Uli Sichau

Kommunikationsgruppe Hirschau